Dämonisch anmutende Gestalten ohne Iris in den Augen, die nachts sehen können, unästhetisch wirkende Körper-Auswölbungen durch Implantate und Leute die sich morgens zum Frühstück eine Injektion mit Nano-Bots setzen, um den DNA-Strang ein wenig zu “pimpen”, damit sie kurzzeitig die 10 000 Meter im Schwimmbecken mit Schwimmhäuten und Fischschuppen schneller absolvieren können.

Das ist grob der Eindruck den Massenmedien von “Biohacking” entstehen lassen.

Dabei kann ich es dem Leser nicht verübeln, wenn er eine solche Definition und damit auch “Biohacking” anstößig findet.

Zugegeben, der Grad ist schmal zwischen einem bewussten oder seelischem Ansatz des Biohackings und dem “seelenlosen” oder unbewussten Bereich der schnell in den extremen “Transhumanismus” abgleitet, bei dem sich der Mensch anmaßt in letzter Konsequenz sich aus einer rein materiellen Perspektive selbst zu “Gott” zu erheben.

Dieser Artikel setzt sich tiefer gehender mit dem kontroversen Thema auseinander.

Geht man von einem mittlerweile auch in zahlreichen wissenschaftlichen Disziplinen immer wahrscheinlicher werdenden Prinzip eines Schöpfers aus (Stichwort: Gottesbeweis, Simulation, etc.), ist die eben erwähnte Zielerreichung alleine von der menschlichen und begrenzt materiellen Ebene aus nicht möglich.

Wie soll sich ein durch ein Schöpfer kreiertes Wesen ohne sein Zutun zum gleichen erheben können? Das ist ein Paradoxon.

Aus ökonomischen Gründen kümmert sich die Mainstream-Berichterstattung stärker um die extremen Auswüchse, die vom Leser oder Zuschauer mehr Aufmerksamkeit erhalten.

Dabei wird gerne unachtsam Transhumanismus mit Biohacking vermischt bzw. seine Grenzen nicht ausreichend herausgearbeitet.

Und so setzt der Leser Biohacking verständlicherweise mit den oben genannten Implantaten und Transhumanismus gleich.

 

Doch was ist letztendlich Biohacking? Wie definiert sich der Begriff? Und was gehört zu Biohacking?

Während beim Transhumanismus die Technik mit dem Menschen verschmilzt, um seine materiellen Grenzen zu sprengen und sich auf dem Weg dahin mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Seele oder Bewusstsein rauben lässt, so dass am Ende nichts mehr vom Menschen übrig bleibt, ist Biohacking ein ähnlicher Weg, nur ohne dabei den Menschen auf der Strecke zu lassen.

Der Biohacker akzeptiert, dass sein Körper irgendwann sterben muss.

Er ist aber davon überzeugt, dass er auf dem Weg dahin fit, rüstig, selbstständig bleiben und sich ein jugendliches Aussehen bewahren kann. Zudem hat er weniger oder keine Angst vor dem Tod.

Der Transhumanist hingegen hat panische Angst vor dem Tod und beschränkt sein menschliches Wesen auf den materiellen Körper, ohne diesen auf höhere Bewusstseinsebenen zu transzendieren.

Er tritt in den Fußstapfen des Nihilismus mit Nietzsche als Vorreiter. Die panische Angst vor dem Tod ist damit nachzuvollziehen.

 

Meine Definition von Biohacking und Quantified Self:

Mit Hilfe eines ganzheitlichen Ansatzes die beste Version von sich zu erreichen. Dabei geht es oft um das Lernen aus eigener Erfahrung und sich selbst ein wenig als Versuchskaninchen zu betrachten, das sich selber misst (Stichwort: Quantified Self). 

Ein erhöhtes Bewusstsein oder höhere Bewusstseinszustände sind dabei eine wichtige Voraussetzung.

Beispielsweise kannst du an dir selbst testen, welche Wirkung unterschiedliche Ernährungsstile auf dich haben und mit der Zeit feststellen, mit welcher Ernährung du auf einem höheren Energieniveau durch den Tag kommen und produktiver werden kannst.

Das Feststellen davon setzt wiederum eine gewisses Körperbewusstsein voraus. Wer per Autopilot durch den Tag geht, wird höchstens bei Extremfällen  die Wirkung an sich feststellen.

 Ein bekanntes Beispiel aus diesem Bereich war der Dokumentationsfilm “Super Size Me” von 2004, in dem Morgan Spurlock nichts anderes als Gerichte einer bekannten Fastfood-Kette zu sich nahm und während dieser Zeit regelmäßig sein Gewicht, Körperfettanteile und Blutwerte kontrollieren ließ.

 

Haupt-Bereiche des Biohackings & Quantified Self:

  • Einflüsse deiner Umgebung
  • Audio/Töne (Tonfrequenzen)
  • Lichtwellen
  • Ernährung
  • Bewegung und Haltung
  • Stress
  • Elektromagnetismus
  • Genetik
  • Sauerstoff und seine Aufnahme
  • Aufmerksamkeit & Geist (Methoden der Bewusstseinserweiterung)
  • Gedächtnis
  • Schlaf

Bei den Techniken und Methoden gibt es sicher die eine oder andere Überschneidung zum Transhumanismus.

Doch würde sich ein smarter Biohacker nicht einfach blind und unbewusst ein Implantant zur Überwachung von Körperfunktionen setzen oder zum indizieren eines Flow-States, nur weil ab sofort die Möglichkeit dazu bestünde.

Er würde darüber nachdenken, welche Auswirkungen und Einflüsse ein solches Implantant auf den Bereich Stress, Elektromagnetismus, das Bewusstsein, den Schlaf und sämtliche anderen Bereiche des Biohackings hätte.

Zudem würde er mit hoher Wahrscheinlichkeit darüber nachdenken, ob es sich tatsächlich um eine für den Menschen ausgereifte Technologie handelte.

Wie sahen denn die ersten mobilen Telefone aus?

Ohne einen gewissen Bizepsumfang oder eine Autokarrosserie um das Gerät herum, hat man mit den globigen Dingern doch gar nicht richtig telefonieren können.

Warum sollte das mit den bisher noch globigen Implantaten anders sein?

Der smarte Biohacker würde vielleicht erst eine Weiterentwicklung der Technologie und erste Nebenwirkungen bei “Early Adoptern” abwarten.

Bis eventuell gar kein Implantant mehr notwendig wäre, sondern eine solche Überwachung von Körperfunktionen auch außerhalb des eigenen Körpers mit einem weiter entwickelten ortsunabhängigen und “verschränkten Bodyscanner” möglich wäre.

Was hältst du von dem Thema? Ich bin auf deine (“troll-bereinigte”) Meinung gespannt.

 

 

Habe wieder Mut zu deinem eigenen Raum! Er ist größer und weiter als du denkst.

Tobias

Share This